Erbschein für Zugriff auf Konten nicht zwingend notwendig

Bundesgerichtshof (Az. XI ZR 440/15)

In einem aktuellen Urteil aus dem Erbrecht hat der BGH entschieden, dass ein Testament ausreicht, um Zugriff auf die Konten eines Erblassers zu bekommen – ein Erbschein ist demnach nicht zwingend erforderlich. Ein notarielles oder sogar ein privatschriftliches Testament reiche aus, wenn die Erben aus dem Testament klar zu erkennen sind – so der BGH.

Im aktuellen Fall hatte eine Bank einen Erbschein für die Offenlegung von Konten eines Erblassers gefordert, obwohl die Erben der Bank ein gemeinschaftliches Testament vorgelegt hatten, aus dem eindeutig zu erkennen war, dass die Kinder zu gleichen Teilen erben sollten. Die Kosten des Erbscheins beliefen sich auf ca. 1700€ und diesen Betrag forderten die Erben nun von der Bank und der BGH hat den Erben in diesem Urteil Recht gegeben, weil der Erbschein im aktuellen Fall nicht notwendig gewesen sein. Die Bank musste also die entstandenen Kosten in Höhe von 1700€ erstatten.

Ein Erbschein ist nach Ansicht des BGH nur notwendig, wenn aus dem vorliegenden Testament nicht eindeutig zu erkennen sei, wer als Erbe eingesetzt ist bzw. wenn es berechtigte Zweifel am hinterlegten Erbfolge geben würde, oder wenn der Nachlass einen Erbschein erfordert (bspw. ist bei einer Immobilie der Erbschein notwendig, um eine Grundbuchänderung vornehmen zu lassen).

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