Kosten für Vorstellungsgespräch

Wer trägt die Reisekosten für ein Vorstellungsgespräch – Bewerber oder das Unternehmen?

Bundesarbeitsgericht (5 AZR 433/87)

Heute widmen wir uns weniger einem aktuellen Urteil aus dem Arbeitsrecht, sondern einer Regelung die viele junge Leute und allgemeine Bewerber betrifft, nämlich dem Problem, wer die Kosten für ein Vorstellungsgespräch übernehmen muss. Heute ist es ganz normal, das Vorstellungsgespräche weit entfernt vom Wohnort eines Bewerbers stattfinden und für ein Vorstellungsgespräch können dann schon signifikante Kosten entstehen – Anreise, Übernachtung, Verpflegung usw. Aber wer trägt diese Kosten? Der Bewerber oder das Unternehmen, das zum Vorstellungsgespräch geladen hat?

Dieser Frage hat sich bereits im Jahr 1988 das Bundesarbeitsgericht gewidmet und eindeutig geregelt, dass der potenzielle neue Arbeitgeber die Kosten für das Vorstellungsgespräch tragen muss. Auch dann, wenn das Vorstellungsgespräch nicht erfolgreich verlaufen ist und der Bewerber die neue Stelle nicht antritt, müssen die Kosten ersetzt werden.

Wie bei anderen Reisekosten auch, gelten hier Obergrenzen. Bei Bahnfahrten wird eine Fahrt zweiter Klasse als Berechnungsbasis herangezogen, bei Fahrten mit dem eigenen KFZ ein Kostensatz von 30 Cent / Kilometer. Bei vielen Punkten gibt es aber auch Spielräume und keine genaue Rechtsprechung, wie bspw. bei den Kosten für eine Übernachtung. Hier sollen sich Kosten die Wertigkeit der Stelle widerspiegeln.

Wenn ein Arbeitgeber allerdings in der Stellenausschreibung direkt die Übernahme der Kosten ausschließt, muss diese die Kosten nicht erstatten. Findet kein Ausschluss statt, muss der Arbeitgeber die Kosten auch übernehmen. Kommt es hier zu Unstimmigkeiten, kann ein Gang vor das Arbeitsgericht notwendig sein.

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